
Einleitung: Wenn Kinder nachts nicht richtig atmen
Viele Eltern kennen das: Das Kind schnarcht laut, wälzt sich im Schlaf hin und her und wirkt am nächsten Tag unausgeschlafen oder gereizt. Während gelegentliches Schnarchen meist harmlos ist, kann in manchen Fällen eine ernsthafte Störung dahinterstecken – die sogenannte Schlafapnoe bei Kindern.
Dabei handelt es sich um wiederkehrende Atemaussetzer während des Schlafs, die die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn beeinträchtigen und den natürlichen Schlafrhythmus stören. Studien zeigen, dass etwa 1–4 % aller Kinder unter einer Form von Schlafapnoe leiden – häufig unentdeckt.
Doch was genau steckt dahinter? Woran erkennt man sie? Und wie kann man sie behandeln? In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie der Schlafapnoe bei Kindern.
Was ist Schlafapnoe bei Kindern?
Der Begriff „Schlafapnoe“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Atemstillstand im Schlaf“. Bei Kindern tritt am häufigsten die sogenannte obstruktive Schlafapnoe (OSA) auf.
Dabei kommt es zu wiederholten Blockaden der oberen Atemwege während des Schlafs. Die Muskeln im Rachen entspannen sich, die Atemwege verengen oder kollabieren – das Kind hört kurzzeitig auf zu atmen. Das Gehirn reagiert mit einem Weckreiz, der die Atmung wieder aktiviert. Diese ständigen Unterbrechungen verhindern jedoch den erholsamen Tiefschlaf.
Weniger häufig tritt die zentrale Schlafapnoe auf, bei der das Gehirn zeitweise keine Atemsignale mehr sendet. Diese Form ist meist mit neurologischen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.
Ursachen: Warum kommt es zu Schlafapnoe bei Kindern?
Die Ursachen sind vielfältig, doch meist liegt eine mechanische Verengung der Atemwege vor. Die häufigsten Auslöser sind:
1. Vergrößerte Mandeln und Rachenmandeln
Dies ist die häufigste Ursache. Wenn Gaumen- oder Rachenmandeln übermäßig groß sind, blockieren sie im Schlaf die Luftwege. Besonders zwischen dem 3. und 8. Lebensjahr ist dies ein häufiger Grund.
2. Übergewicht
Auch bei Kindern kann Übergewicht zu einer Einlagerung von Fettgewebe im Halsbereich führen, wodurch die Atemwege eingeengt werden.
3. Fehlstellungen von Kiefer oder Zunge
Ein zu kleiner Unterkiefer, eine zu große Zunge oder anatomische Besonderheiten der oberen Atemwege können die Luftzirkulation behindern.
4. Allergien und chronische Nasenverstopfung
Wenn Kinder dauerhaft schlecht durch die Nase atmen können, atmen sie häufiger durch den Mund – was das Risiko für Schlafapnoe erhöht.
5. Neurologische oder genetische Ursachen
In seltenen Fällen sind Störungen des zentralen Nervensystems oder genetische Syndrome (z. B. Down-Syndrom) beteiligt.
Symptome: Woran erkennt man Schlafapnoe bei Kindern?
Viele Anzeichen sind für Eltern zunächst schwer zu deuten. Typisch sind jedoch folgende nächtliche und tägliche Symptome:
Nachts:
- Lautes, regelmäßiges Schnarchen
- Atemaussetzer (oft von den Eltern beobachtet)
- Unruhiger Schlaf, häufiges Drehen
- Schweißausbrüche im Schlaf
- Mundatmung
- Nächtliches Einnässen
Tagsüber:
- Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten
- Gereiztheit oder Hyperaktivität
- Lernprobleme in der Schule
- Kopfschmerzen am Morgen
- Wachstumsstörungen (durch hormonelle Schlafunterbrechung)
- Heisere Stimme oder trockener Mund
Viele Kinder mit Schlafapnoe wirken tagsüber nicht müde, sondern überaktiv – ein Grund, warum die Erkrankung oft mit ADHS verwechselt wird.
Diagnose: Wie wird Schlafapnoe bei Kindern festgestellt?
Wenn Eltern wiederkehrende Atemaussetzer oder lautes Schnarchen bemerken, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden – idealerweise ein Kinder-HNO-Arzt oder Schlafmediziner.
Die Diagnose erfolgt in mehreren Schritten:
1. Anamnese und körperliche Untersuchung
Der Arzt fragt nach den Symptomen, der Schlafsituation und eventuellen Begleiterkrankungen. Mund, Nase und Rachen werden genau untersucht.
2. Schlaflabor (Polysomnographie)
Das Kind verbringt eine Nacht in einem Schlaflabor, wo Atmung, Sauerstoffgehalt, Herzfrequenz und Hirnaktivität aufgezeichnet werden. Diese Untersuchung gilt als Goldstandard.
3. Alternative Tests
In manchen Fällen reicht eine einfachere Untersuchung zu Hause – eine sogenannte Polygraphie mit tragbarem Gerät.
Behandlung: Was hilft bei Schlafapnoe bei Kindern?
Die Therapie hängt von der Ursache und Schwere der Schlafapnoe ab. Ziel ist es immer, die freie Atmung im Schlaf wiederherzustellen.
1. Entfernung der Mandeln (Adenotomie / Tonsillektomie)
Wenn vergrößerte Mandeln der Auslöser sind, ist eine Operation oft die effektivste Lösung. Viele Kinder sind danach dauerhaft beschwerdefrei.
2. Gewichtsreduktion
Bei übergewichtigen Kindern kann schon eine moderate Gewichtsabnahme die Symptome deutlich lindern.
3. Nasen- und Atemtherapie
Allergien oder chronische Entzündungen werden mit Medikamenten (z. B. Nasensprays, Antihistaminika) behandelt. Manchmal helfen auch Atemübungen.
4. CPAP-Therapie
In schwereren Fällen kann eine sogenannte CPAP-Maske (Continuous Positive Airway Pressure) eingesetzt werden. Sie sorgt dafür, dass die Atemwege während des Schlafs offen bleiben.
5. Kieferorthopädische Maßnahmen
Einige Kinder profitieren von speziellen Spangen, die den Kiefer erweitern und dadurch die Atemwege vergrößern.
Langzeitfolgen: Warum unbehandelte Schlafapnoe gefährlich ist
Unbehandelt kann Schlafapnoe bei Kindern ernsthafte Folgen haben. Durch den Sauerstoffmangel und die ständigen Weckreaktionen im Gehirn wird der gesunde Schlafzyklus gestört – das wirkt sich auf nahezu alle Körperfunktionen aus:
- Lern- und Konzentrationsprobleme
- Verhaltensauffälligkeiten (ähnlich wie ADHS)
- Wachstumsstörungen durch gestörte Hormonproduktion
- Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Belastung
- Erhöhtes Risiko für Übergewicht und Stoffwechselstörungen
Frühzeitige Diagnose und Therapie sind daher entscheidend, um bleibende Schäden zu verhindern.
Was Eltern tun können: Tipps für den Alltag
- Beobachte den Schlaf deines Kindes – notiere auffällige Geräusche oder Atempausen.
- Filme oder Tonaufnahme – kann dem Arzt helfen, die Situation besser einzuschätzen.
- Sorge für eine gute Schlafumgebung – kühles, ruhiges Zimmer und regelmäßiger Schlafrhythmus.
- Achte auf Nasenatmung – bei chronischer Verstopfung lieber früher zum Arzt.
- Gesunde Ernährung und Bewegung – besonders wichtig bei übergewichtigen Kindern.
Prognose: Gute Heilungschancen bei rechtzeitiger Behandlung
Die gute Nachricht: Schlafapnoe bei Kindern ist meist heilbar. Nach Entfernung vergrößerter Mandeln oder Behandlung der zugrunde liegenden Ursache verschwinden die Symptome in vielen Fällen vollständig.
Wichtig ist allerdings, dass Eltern aufmerksam bleiben – denn Rückfälle sind möglich, vor allem bei allergischen oder anatomischen Ursachen.
Fazit: Besser schlafen, besser leben
Schlafapnoe bei Kindern ist keine seltene, aber oft unterschätzte Erkrankung. Sie kann das Wohlbefinden, die Entwicklung und die Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen – ist aber gut behandelbar, wenn sie rechtzeitig erkannt wird.
Eltern sollten lautes Schnarchen, Atemaussetzer oder ungewöhnliche Schlafgewohnheiten ernst nehmen und ärztlich abklären lassen. Mit der richtigen Therapie steht einem erholsamen, gesunden Schlaf nichts mehr im Weg.


